Sa 26 Mai 2007
Back from Hell: St. Pauli steigt auf und Heuler in Friedrichskoog
Posted by web79 under AllgemeinNo Comments
25. und 26. Mai 2007
Die Männer kommen am späten Nachmittag mit den Jungs vom Eisenbahnmuseum zurück und anschliessend gehen wir den Abend ruhig an und versorgen erst mal die Kinder. Carola’s Eltern sind so nett und übernehmen heute abend den Babysitterdienst und so können wir zu viert nochmals in die Innenstadt rein. Carola und Michael wollen uns noch eine tolle Aussicht auf den Hafen zeigen und anschliessend in einem kleinen feinen Restaurant in St. Pauli einen Happen essen gehen. Auf der Hinfahrt gibt’s noch einen Abstecher in die neue Hafencity, das gigantische Stadtprojekt soll bis 2012 fertiggestellt sein. Hier ensteht ein total neuer Stadtteil mit riesigen Ausmassen. Anschliessend stimmen wir uns dann im Hafen Hamburg (ein Hotel direkt beim Hafen mit Aussichtsbar zuoberst) mit Margarita auf den Abend ein.
Die paar Meter zum Restaurant gehen wir zu Fuss. Carola und Michael haben eine zeitlang in St. Pauli gewohnt und kennen das Viertel wie ihre Hemdentasche. Das Servicepersonal packt kurzerhand noch einen Tisch mit Stühlen auf den Gehsteig und so können wir den nach dem tropischen Regenfall wieder lauschig gewordenen Abend in einer ruhigen Seitenstrasse angehen. Die Speisekarte ist klein und übersichtlich, die Produkte frisch und mediterran und so fällt schon mal die Wahl der Qual ziemlich schwer.
Carola hält sich derweil per SMS auf dem laufenden und berichtet dann abschliessend: “Wir haben’s geschafft”. Heute abend spielt nämlich “ihr” Fussballclub, der Aussenseiterverein St. Pauli um den Aufstieg in die 2. Liga und zittert sich mit einem Unentschieden nach der 2:1 Führung gerade noch durch (Michael meint, früher hätten sie in der 1. Liga um den Abstieg in die 2. Liga noch gekämpft und heute feiern sie, dass sie dort sein dürfen….).Na egal, die Innenstadt steht auf jeden Fall nach Abpfiff kopf. Wir beschliessen, nach dem Essen noch kurz 2 Strassen weiter in die “Fanmeile” abzudrehen, um vom Lebensgefühl der “Piraten” was mitzukriegen und dann gehts weder vor noch zurück: Wir stehen inmitten von schreienden und feiernden Menschenmassen mitten auf dem Kiez - “so war das nicht geplant” entschuldigen sich Carola und Michael. Aber schon bald verstehen wir unser eigenes Wort nicht mehr, weil kurz vor uns die gesamte Mannschaft zur improvisierten Bühne einläuft…..
Und so haben wir, obwohl nun das 3. Mal in Hamburg wieder einen tollen neuen Einblick in die Metropole an der Elbe gekriegt. Einfach super, wenn Freunde einem ihre Heimat näherbringen und uns “ihre” Stadt zeigen.
Am nächsten Tag ist das Wetter dann nicht mehr so toll, aber mit kleinen Kindern muss man an die frische Luft und so beschliessen wir, Michael’s Vorschlag in die Tat umzusetzen und fahren in rund 1 1/2 Stunden an die Nordsee. Wir machen Zwischenstation im Landkreis Dithmarschen und suchen auf dem grossen Deich nach den Schafen, die hier auf dem weiten Land herumlaufen. Diese Weite ist für uns sehr eindrücklich, denn wo hat man in der Schweiz nur annähernd so viel flaches Land. Und darum haben die Schafe auf genug Platz, dieser schwer einschätzbaren Truppe mit schreienden Kindern + Hund aus dem Weg zu gehen und eben das Weite zu suchen!!
Unser eigentliches Ziel ist die Seehundstation in Friedrichskoog. Hier finden Heuler vorübergehend eine neue Heimat, bevor sie, wieder aufgepäppelt und den Menschen entwöhnt, als erwachsene Tiere in die Freiheit entlassen werden. Junge Seehunde, die während der Säugezeit dauerhaft den Kontakt zur Mutter verlieren, werden Heuler genannt, weil sie durch Heulrufen nach ihrer Mutter suchen. Natürliche Ursachen wie Sommerstürme, Krankheit oder Tod der Mutter aber vor allem auch menschliche Einflüsse wie Störungen an den Wurfplätzen können eine solche Trennung bewirken. Seehunde sind im Wattenmeer vielen Gefahren ausgesetzt, für die wir Menschen verantwortlich sind: immer noch werden die Seehunde durch Wattwanderer, Schiffsverkehr und Flugverkehr häufig an ihren Ruheplätzen gestört. Zudem werden sie durch die Verschmutzung der Nordsee mit PCB’s und Schwermetallen vergiftet. In Friedrichskoog wird neben der Aufzucht der kleinen putzigen Tierchen auch Forschung bezüglich Sozialverhalten der Seehunde und Robben betrieben und es gibt viel Information rund um die Lebewesen der Nordsee und des Wattenmeeres. Wir sind rechtzeitig zur Fütterung der Heuler da und dürfen sie aus Distanz beobachten (man möchte damit vermeiden, dass die Seehundkinder durch die Menschen gestört werden). Zur Zeit sind drei Heuler auf der Station: Adele, Max und Moritz. Die Tiere sind wirklich total herzig und man möchte sie am liebsten knuddeln, wenn sie mit ihren grossen schwarzen Kulleraugen in die Welt hinausschauen. Wir sind beeindruckt von der Arbeit dieses Vereins und lernen viel Wissenswertes, auch über die Nordsee dazu.
Nach einem Halt unterwegs (Seeluft macht hungrig und durstig) in einem Landgasthof bei Alsterwasser, Scholle und Krabben nehmen wir den Heimweg unter die Räder. Und nach einem letzten Zwischenstopp bei “Globetrotter” (auf ausdrücklichen Wunsch Thomi’s, der eigentlich schon das Geschäft in Berlin besuchen wollte) biegen wir dann alle ziemlich müde aber zufrieden in den Fasanengrund ein.