Eine kleine Alltagsgeschichte zum Thema anhaltende Kostenexplosion im Gesundheitswesen
Veröffentlicht am 17. Juni 2010 | Ein Kommentar
Die eidgenössischen Parlamentarier debattieren auch in der aktuellen Sommersession in Bern einmal mehr darüber, wie die Kostenexplosion im Gesundheitswesen wirksam eingedämmt werden könnte. Derweil geht der ganz normale Wahnsinn dieses Systems munter weiter. Ein profanes Müsterchen aus dem Alltag einer Familie mit zwei lebhaften Jungs zeigt, wo es – wenn auch im Kleinen – noch Potential für eine Optimierung der Kosten gäbe.
Es geschah vor ein paar Wochen, da stiess sich unser älterer Sohn beim wilden Spiel mit seinem Bruder unmittelbar vor der Schlafenszeit an der Zimmertüre seine Zähne an. Obwohl glücklicherweise nichts Schlimmeres passierte, war uns bewusst, dass eine gründliche Überprüfung der Zähne nötig war. Ein Vitalitätstest der Zähne sowie allenfalls ein Röntgenbild stellen sicher, dass sich die nachwachsenden Zähne bei einem Stoss nicht verletzt haben, bzw. mögliche spätere Beeinträchtigungen frühzeitig erkannt werden. Für Eltern, die für ihre Kinder eine Zahnversicherung abschliessen, wird der Nachweis von den Krankenkassen zwingend gefordert. Ich rief also am nächsten Morgen die Dentalhygienikerin in unserer Gemeinde an. Sie ist für uns wie auch für unsere Schule eine Vertrauensperson und kennt durch die regelmässigen von der Schule geforderten Jahresuntersuchungen die Kinder bestens. Ihr herzlicher Umgang lässt zudem vergessen, dass die Untersuchungen im Mund nicht unbedingt Spass machen.
Im Anschluss an den Besuch schickte ich den unauffälligen Vitalitätstest und das Röntgenbild des betroffenen Zahns inkl. der Rechnung unter CHF 100.– umgehend unserer Krankenkasse.
Das Resultat war, dass die Krankenkasse uns beschied, sie würden eigentlich solche Untersuchungen nur von einem diplomierten Zahnarzt akzeptieren. Nach meinem Vorschlag, ich wäre nur um die Aktennotiz froh und würde die Kosten selber tragen, entschied die zuständige Sachbearbeiterin, sie würde dieses Mal ein Auge zudrücken und auch die Kosten ohne Abzug eines Selbstbehaltes übernehmen. Dass eine solche Rechnung – notabene mit den gleichen Leistungen – bei einem Zahnarzt doppelt so viel kostet, haben wir dann letzte Woche erfahren. Dieses Mal gab’s ein Rencontre zwischen den Milchzähnen unsere jüngeren Sohnes und eines Mäuerchens. Und wir suchten aufgrund der eindringlichen Worte der Krankenkasse unter Zeitdruck (eine solche Untersuchung sollte immer umgehend geschehen) den leider nächstbesten “richtigen” Zahnarzt auf (da unsere Jungs bisher punkto Zähne total unauffällig waren, war uns ja eben “nur” die Dentalhygienikerin im Dorf bekannt). Dieser hat etwas umständlich und langatmig im Wesentlichen ebenfalls die Vitalität der Zähne getestet sowie ein Röntgenbild des betroffenen Zahns gemacht. Die Rechnung habe ich inzwischen auch erhalten: Deutlich über CHF 200.-. Zudem sind wir in unserer Notsituation auf einen menschen- und vorallem kinderunfreundlichen Zeitgenossen gestossen, der unserem Jüngsten die Lust auf weitere Zahnuntersuchungen jedwelcher Art deutlich vergrault hat. Dafür wird nun die Krankenkasse den doppelt so hohen Betrag ohne Selbstbehalt anstandslos rückerstatten und eine Aktennotiz über diese Vorfall schützt uns vor späteren Vorbehalten.
Hier scheinen die Lobbyisten der Zahnärzte immer noch erfolgreich darauf einzuwirken, dass ihnen niemand den Kuchen streitig machen kann. Obwohl es ja ganz offensichtlich ist: hier bietet jemand die gleiche Leistung zu einem deutlich höheren Preis. Dass dies die Krankenkassen ebenfalls akzeptieren macht meinen grundsätzlichen Vorbehalt gegenüber den Krankenkassen nicht besser. Dass unsere kleine Geschichte kein Einzelfall ist, beweisen immer wieder in den Medien beschriebene Fälle von Patientenorganisationen und Konsumentenverbänden. Als Bürgerin, die jedes Jahr immer mehr Prämien zahlt frage ich mich schon, wie lange dieses ständige Herumschieben der Kosten im Gesundheitswesen davon ablenkt, endlich konkret bei Kostentreibern anzusetzen.
Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf – darum: Ein doppeltes Ja zur Kinderbetreuungsinitiative vom 13. Juni 2010!
Veröffentlicht am 18. Mai 2010 | Hinterlasse einen Kommentar
Mit der Kinderbetreuungsinitative vom 13. Juni 2010 ermöglichen wir allen Eltern frei zu entscheiden, welche Form der familienergänzenden Kinderbetreuung sie wählen wollen und wir stärken endlich die bisher vor allem theoretische Absicht, endlich die Schaffung genügender Plätze sicherzustellen. Während die familienergänzende Betreuung für schulpflichtige Kinder durch das neue Zürcher Volksschulgesetz festgehalten und in Angriff genommen worden ist, fehlen für Kinder im Vorschulalter, also für Kinder von 0-4 Jahren, trotz grosser Nachfrage immer noch eine genügende Anzahl von Betreuungsplätzen. Zwar sind die Städte Zürich und Winterthur oder Agglomerationsgemeinden wie beispielsweise im Bezirk Meilen gut abgedeckt, aber besonders auf dem Land steckt die familienergänzende Betreuung buchstäblich noch in den Kinderschuhen. Denn gerade finanzschwache Landgemeinden können kein angemessenes Angebot der familienergänzenden Betreuung sicherstellen. Die Initative will, dass der Kanton die Gemeinden nicht nur auffordert, eine Bedarfsabklärung zu machen, sondern ihn dazu verpflichtet, die Gemeinden in ihrem Vorhaben finanziell zu unterstützen. Denn auch wenn gewisse politische Kreise sich nach der klassischen Einernäher-Familie zurück sehnen: in unserer heutigen Gesellschaft ist die zumindest teilzeitliche Erwerbsarbeit von Vater und Mutter aufgrund des eigenen Entscheides und noch mehr aus wirtschaftlicher Notwendigkeit eine gesellschaftliche Realität. Wir sind aufgefordert, dieser -unabhängig von unserer subjektiven Gesinnung- endlich mit griffigen Lösungen zu begegnen und mit Blick für das Kindwohl dementsprechende Massnahmen zu ergreifen. Die überwiegende Mehrheit der Eltern bei uns nimmt übrigens auch heute immer noch den grösseren Teil ihrer erzieherischen Verantwortung selber wahr: Die meisten Kinder, welche sogenannt fremdbetreut werden, sind durchschnittlich zwei, max. drei Tage pro Woche ausserhalb ihrer Familie betreut. Der Begriff „familienergänzend“ und nicht etwas „familienersetzend“ spricht da für sich.
Am 20. Mai findet eine Informationsveranstaltung der Zürcher Frauenzentrale zu diesem Thema statt.
Überlegungen zum Schulcampus Erlenbach
Veröffentlicht am 5. März 2010 | Hinterlasse einen Kommentar
Unsere einzigartige Gemeinde am Zürichsee hat viele Vorzüge: die überschaubare Anzahl der Bevölkerung, Grün- und Erholungszonen wie das Erlenbacher Tobel und ein lebendiges Vereins- und Kulturleben gehören dazu. Als Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern überzeugt mich auch der natürlich gewachsene Schulcampus: Primarschule, Kinderkrippe, familienergänzende Betreuung und Musikschule sind in unmittelbarer Nähe und bilden auf dem Plateau von Turmgut und Allmendli eine Einheit. Zudem engagiert sich die Gemeinde im Rahmen des Altersprojekt “Neuer Gehren” auch aktiv dafür, dass ein neues Kleinschwimmbecken nun auf dem Gelände der Zivilschutzanlage Allmendli geplant wird und die bestehende Infrastruktur von Sportplatz und Turnhallen ergänzt.
Trotzdem wird uns die Infrastuktur und das Angebot des Schulcampus in den nächsten Jahren beschäftigen und herausfordern. Nachdem die Kinderkrippe feuerschutzpolizeilichen Standards nicht mehr genügt und auch raummässig aus allen Nähten platzt, stellt sich die Frage, ob eine Anpassung des Gebäudes gemäss den Richtlinien überhaupt Sinn macht oder ein anderer Standort geprüft werden muss. Im erweiterten Areal des Schulcampus befindet sich zudem die Spielgruppe “Teddybär” für Kinder im Vorschulalter, welche schon seit mehreren Jahren in sanierungsbedürftigen Räumlichkeiten untergebracht ist und somit ebenfalls Handlungsbedarf anzeigt.
Desweiteren erfährt man im Gespräch mit Lehrpersonen und Kindern, dass die räumliche Trennung zwischen einzelnen Schulzimmern der Primarstufe im Pavillon und den restlichen Klassen im unteren und oberen Hitzberg nicht optimal ist und den schulischen Alltag unnötig erschwert. Der Elternrat hat in Zusammenarbeit mit der Schulleitung “Superpausen” in unregelmässigen Abständen eingeführt. In der meisten Zeit jedoch ist es den Schülerinnen und Schülern im Pavillon nicht möglich, ihre Gspänlis ennet der Schulhausstrasse in den Pausen zu treffen. Auch für die Lehrpersonen ist der ständige Fussweg zwischen Hitzberg und Pavillon nicht optimal, umso mehr wenn Lehrpersonen klassenübergreifend in der gleichen Stufe zusammenarbeiten möchten. Und für die sonderpädagogische Unterstützung der Klassen verbraucht die räumliche Distanz unnötig zeitliche und finanzielle Ressourcen. Zum Schluss stellt sich die Frage, ob die Aufteilung der Oberstufe zwischen Herrliberg und Erlenbach mit dem letzten Schuljahr in Erlenbach organisatorisch und logistisch überhaupt Sinn macht oder mit einem einheitlichen Standort der Oberstufe in Herrliberg die frei werdenden Räumlichkeiten für eine ungeteilte Primarschule genutzt werden könnten.
Eine Strukturbereinigung des Schulcampus tut also Not. Dabei muss genügend Zeit und Raum sein, die verschiedenen Bedürfnisse und Konstellationen sorgfältig aufzulisten und alle verfügbaren Möglichkeiten im Sinne eines uneingeschränkten Brainstormings umsichtig zu prüfen. Der Schulcampus der Zukunft in Erlenbach muss den räumlichen, organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Ansprüchen genügen, aber auch die wichtigen Bedürfnisse der Kinder und Lehrpersonen berücksichtigen und gezielt aufnehmen. Dies trägt dazu bei, dass die Qualität unserer Schule nachhaltig gesichert ist.
Kein Rückschritt ins letzte Jahrhundert
Veröffentlicht am 25. Januar 2010 | 5 Kommentare
Als Lokalpolitikerin interessieren mich in erster Linie regionale politische Herausforderungen und ich engagiere mich im Dialog für deren nachhaltige und konstruktive Lösungen.
Aber es gibt auch immer Themen und Dossiers auf eidgenössischer Ebene, die mich als interessierte Bürgerin bewegen.
Nach einigen konkreten Massnahmen, insbesondere Familien in der gesellschaftlichen Realität wirksam zu stärken, sind nun auf nationaler Ebene zwei Initiativen geplant, die uns einen gesellschaftspolitischen Rückschritt in nur scheinbar überwundene frühere Zeiten bescheren möchten. Nachdem das Parlament im letzten Sommer einen generellen Steuerabzug von 250 Franken pro Kind und Jahr allen Eltern gewährt und mit einem maximalen Steuerabzug von 10′000 Franken pro Jahr für Drittbetreuungskosten die bessere Vereinbarung von Familie und Beruf unterstützt, lanciert die SVP nun ihre Familieninitiative.
Die Partei, welche sich laut eigenen Angaben politisch gegen jedes Giesskannenprinzip wehrt, versucht mit ihrem Vorschlag eines generellen Steuerabzugs unabhängig von in Anspruchnahme einer Drittbetreuung der Kinder ihr Familienideal der Einernährerfamilie durch die Hintertüre durchzudrücken. Dem Parlament geht es bei der Gesetzesvorlage jedoch in erster Linie darum, die Steuerungleichheit von erwerbstätigen Eltern zu beseitigen. Denn gerade Eltern, die sich keine Einernäherfamilie leisten können, haben Ende Monat faktisch weniger Geld zur Verfügung, weil die Kosten für die Kinderbetreuung einen erheblichen Teil des Lohnes wegfressen und nicht abzugsberechtigt sind. Die Initiative der SVP belohnt vor allem diejenigen Eltern zusätzlich finanziell, welche heute schon die Wahlfreiheit bezüglich der Erwerbstätigkeit haben. Aus den gleichen Kreisen kommt übrigens die zweite Initiative, die den Schwangerschaftsabbruch aus der Grundversicherung streichen möchte.
Mit dem Slogan „Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache“ pochen die Initianten auf die totale Eigenverantwortung, die letztlich finanziell schlecht gestellte Frauen in ihrer sonst schon schwierigen Entscheidungsfindung beschneidet und gesundheitlich bedroht. Ich will weder ein Steuergesetz, das mir eine familienpolitische Gesinnung aufdrückt noch einen gesundheitspolitischen Rückschritt ins Mittelalter. Ich setzte mich ein für eine moderne Schweiz, die tragfähige Lösungen für die gesellschaftlichen Veränderungen findet und ihre soziale Verantwortung gegenüber ihrer gesamten Bevölkerung wahrnimmt.
Vom Vergehen und Entstehen unserer Gemeinschaft
Veröffentlicht am 11. Januar 2010 | 2 Kommentare
Auch dieses Jahr habe ich die Weihnachtsferien, dh. die paar Tage Ruhe und Musse zwischendurch nutzen können und intensiv gelesen. Meine Berliner Freundin – danke Aenne!! – hat mit ihrem Präsent voll ins Schwarze getroffen, denn für mich war schon lange nicht mehr ein Buch so anregend:
Frank Schirrmacher beschreibt in “Minimum” die Situation in die sich unsere Gesellschaft manöveriert, wenn wir unseren sozialen Beziehungen zuwenig Sorge tragen und er zeigt auf, wie wichtig verwandtschaftliche Netzwerke – sprich Familiensysteme – für unsere Zukunft sind. Gerade in Europa, wo Wirtschaftskrise und neoliberale Kräfte den Wohlfahrtsstaat immer mehr in Frage stellen, wird der Ruf nach der Familie, welche als privates Versorgungs- und Versicherungsnetz die Verantwortung übernimmt, immer lauter. Doch wer soll das genau sein? Die Anzahl der Singlehaushalte in den vergangenen Jahren in Agglomerationen und Städten ist sprunghaft gestiegen. Immer mehr Familiensysteme zerbrechen. Der Trend zur Individualisierung der Gesellschaft hält an. Und das grösste Problem: Es fehlt der Nachwuchs, der sich um die ältere Generation kümmert, die ihrerseits immer zahlreicher und älter wird.
Das Buch regt mich an, darüber nachzudenken, was zu tun ist, um in meinem persönlichen Lebensraum dafür zu sorgen, dass die bedrückende und beängstigende Vision Schirrmacher’s nicht Realität wird. Wir müssen uns der Bedeutung sozialer Gemeinschaften – Familien, Nachbarschaftshilfe, Vereine und Dorfgemeinschaften – wieder vermehrt klar werden. Generationenübergreifende Projekte – wie bsp. die Aktion der Leihgrosseltern in der Kinderbetreuung – dürfen trotz Wirtschaftskrise nicht weggespart werden. Es stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und fördert die Vernetzung, wenn verschiedene Institutionen eines Dorfes gemeinsam Anlässe organisieren – als Einwohnerin unterstütze ich dieses Engagement mit meiner Präsenz. Viele Vereine beklagen einen zunehmenden Mitgliederschwund und Sportvereine finden keine Trainer für Juniorenabteilungen – gerade im Sport wird das soziale Gewissen unserer Kinder gestärkt, wir Eltern sind gefordert, diese Vereine auch mit persönlichem Einsatz zu unterstützen. Ich vermisse an meinem Wohnort schon seit einigen Monaten den langjährigen Postboten, der durch eine billige Teilzeitkraft ersetzt wurde. Dabei erfüllen gerade auch Postboten wichtige soziale Funktionen für ältere Personen, die dank persönlicher und täglicher Briefzustellung sozialen Kontakt zur Aussenwelt haben.
Tja, das hört sich nun alles an nach “es gibt nichts gutes, ausser man tut es” – aber vermutlich ist es halt eben schon so, dass wir eigenverantwortlich unseren Beitrag leisten müssen. Und wenn wir bei uns in unserer unmittelbaren Umgebung damit anfangen, dann sind die Resultate für mich jedenfalls anregend genug, weiterzumachen. Das dies nicht gerade immer einfach und entspannend ist, das habe ich auch nicht behauptet, denn wo Gemeinschaft entsteht, gibt’s Reibung – aber die erzeugt schliesslich auch Wärme.
Routinekontrolle oder Schikane der Schüler?
Veröffentlicht am 20. November 2009 | Hinterlasse einen Kommentar
Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) betreut in Erlenbach zwei Ortsbuslinien, bei denen vor allem die Mittagskurse in der Mehrheit von Schülerinnen und Schülern der Primarschule Erlenbach
rege benutzt werden. Die Gemeinde Erlenbach unterstützt die Benutzung des öffentlichen Verkehrs der Kinder durch den hälftigen Beitrag an die Kosten eines Jahresabonnements und regt so auch Eltern aktiv an, auf den Taxidienst ihrer Kinder zur Schule zu verzichten.
Es ist nachvollziehbar, dass der ZVV auf diesen Ortsbuslinien unregelmässige Stichkontrollen auch über Mittag durchführt. Allerdings, wo besteht schon der Anreiz zum Schwarzfahren, wenn die Gemeinde sich am Jahresabonnement der Kinder beteiligt? Innert Monatsfrist haben trotzdem dreimal total vier Kontrolleure (einer davon begleitete den Bus im nachfolgenden Auto) den Mittagskurs systematisch abgeriegelt und alle Fahrgäste kontrolliert. Das Resultat im Wesentlichen: einige Kinder hatten den Schulthek über Mittag in der Schule gelassen und vergessen, das Abo in der Jackentasche zu verstauen – gegen Vorweisen des Abos und einer Unkostengebühr von jedes Mal CHF 5.- am Bahnhof ist die Sache für den ZVV erledigt. Da Mehrfahrtenkarten an den Haltestellen vor Eintreffen des Buses nicht abgestempelt werden können, müssen diese im Bus entwertet werden. Wenn viele Kinder mit Mehrfahrkartenabos einsteigen, haben jeweils diejenigen Kinder Pech, die zuhinterst anstehen: Die Kontrolleure steigen nämlich mit den Kindern in den Bus und entscheiden willkürlich wer noch abstempeln darf und wer das Weiterfahren des Buses verzögert. Diese Kinder erhielten bei den Kontrollen jeweils eine Busse von CHF 80.-. Da stellen sich für mich eine ganze Reihe von Fragen, die mir bis heute der Kundendienst des ZVV, den ich telefonisch um eine Stellungnahme gebeten habe nicht abschliessend beantwortet hat:
- Wo ist das Verhältnis zwischen personnellem Aufwand und finanziellem Ertrag bei diesen Kontrollen, die ich notabene inzwischen nicht mehr als Stichkontrollen sondern Schikane gegenüber Kinder und Eltern wahrnehme?
- Wieso besteht an den Bushaltestellen – insbesondere an derjenigen vor der Schule Erlenbach – keine Möglichkeit vor Eintreffen des Buses die Mehrfahrkarte zu entwerten?
- Wieso ist es uns Eltern nicht erlaubt, eine Kopie des Abos unserer Kinder in der Jackentasche zu deponieren? Kinder in diesem Alter sind schnell abgelenkt und vergesslich.
Und dann muss ich aus den Gesprächen, die ich mit den Kindern geführt habe, auch schliessen, dass der Respekt der Kontrolleure gegenüber den kleinen Fahrgästen zumindest nicht der gleiche ist wie gegenüber Erwachsenen. Oder wie muss ich das deuten, wenn Kinder am Entwerten der Mehrfahrkarte gehindert werden oder man ihnen sagt, man komme so lange kontrollieren, bis sie’s endlich begreifen? Die Erziehungskompetenz für unsere Kinder liegt nicht beim ZVV.
Es ist klar, dass das Verhalten des ZVV auch die Pläne der Schule, die Lösungen zur Vehinderung von täglichen Mittagsstaus vor der Schule sucht, so systematisch durchkreuzt.
Wie wäre es, wenn die beteiligten Institutionen – Schulleitung, Elternrat und ZVV – sich zu einem konstruktiven Gespräch treffen und gemeinsam nach einer einvernehmlichen Lösung für alle suchen? Ich erwarte zudem vom ZVV, dass er seine Kontrolleure und auch Buschauffeure in der Aus- und Weiterbildung anweist, auch gegenüber Kindern den nötigen Anstand und Respekt walten zu lassen.
Verordnete Erziehungskurse sind keine Elternbildung
Veröffentlicht am 6. Oktober 2009 | Ein Kommentar
Die Zürcher Bildungsdirektion plant, säumige oder überforderte Eltern durch die Schulpflege einer Gemeinde zu Erziehungskursen zu verpflichten. Und die Eltern müssen sich auch finanziell daran beteiligen.
Grundsätzlich kann ich nachvollziehen, dass die Bildungsdirektion des Kantons Zürich nach Möglichkeiten und Massnahmen sucht, die Eltern wieder vermehrt in die Pflicht zu nehmen. Es ist nach wie vor eine Minderheit von Eltern, die sich aus der Erziehungsverantwortung verabschiedet hat. Trotzdem wird es für Lehrpersonen von Schülern, die zuhause weder Grenzen noch Unterstützung erfahren immer schwieriger, ihrem Kerngeschäft, der Vermittlung von Bildung, wirklich nachzukommen. Die Lehrpersonen begrüssen denn auch klar die neue Regelung.
Als ehemalige, langjährige Leiterin der Elternbildung Erlenbach befürchte ich allerdings eine mögliche Gleichsschaltung von Elternbildung und verpflichtenden Erziehungskursen für Eltern: Ich widerspreche ganz klar der Aussage von Martin Wendelspiess (Zürcher Bildungsdirektion), der meint, dass diese Möglichkeit zur Verpflichtung grundsätzlich dem Thema Elternbildung mehr Ernsthaftigkeit verleihen soll.
Die Angebote der Elternbildung richten sich an eine interessierte Elternschaft, die sich in freiwilliger Art und Weise aktiv mit ihrer Erziehungsarbeit auseinandersetzt und in einen Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern kommen möchte. Immer wieder stellen OrganisatorInnen der Elternbildung denn auch fest, dass sich besonders Eltern, die sich ihrer Rolle als Erziehende bewusst sind, an diesen Kursen und Veranstaltungen – übrigens in steigendem Masse – teilnehmen. Sie nutzen die Angebote als Bestätigung ihrer Erziehungsarbeit, zur Weiterbildung oder eben zum Erfahrungsaustausch mit anderen interessierten Eltern. Für dieses positive Image der Elternbildung als stärkende und fördernde Kraft für Eltern wurde lange Jahre im ganzen Kanton gearbeitet.
Die Voraussetzung für Eltern, die zu Erziehungskursen verknurrt werden ist jedoch eine total andere: Renitente, uneinsichtige und offensichtlich überforderte Eltern werden unter Androhung von Bussen zur Teilnahme an Erziehungskursen aufgefordert. Dass dies eine Klientel ist, welche sich einerseits schwer mit interessierten Eltern mischen lässt und andererseits eine angemessene Vorbereitung des Kurses sowie eine in der Gruppenführung speziell kompetente Kursleitung voraussetzt, liegt meiner Meinung nach auf der Hand. Und da mache ich mir eben gerade Sorgen um den sorgsamen, langjährigen Aufbau einer Elternbildung, die vor allem auf Freiwilligkeit und Interesse der Teilnehmenden aufbaut. Denn eines ist sicher: Verordnete Erziehungskurse sind aufwändiger: Sie benötigen eine sorgfältige Vorbereitung, setzen eine Kursleitung voraus, die mit Störungen und Konflikten umzugehen weiss und dürfen vorallem nicht mit anderen Elternbildungskursen gemischt werden. Aufwändige Vorbereitung und Durchführung setzen auch einen finanziellen Mehraufwand voraus. Ich hoffe sehr, dass die Bildungsdirektion sich dieser Abläufe wirklich bewusst ist und die jahrelange Aufbauarbeit der Elternbildung in Kanton Zürich und Kommunen mit einem unbedachten Schnellschuss nicht gefährdet.
Artikel dazu vom TAGES-ANZEIGER 26.09.2009:
TAGI260909
Die Postzustellung der Schule Erlenbach
Veröffentlicht am 16. September 2009 | Hinterlasse einen Kommentar
In den Medien ist zu lesen, dass die Schweizerische Post insbesondere bei der Briefzustellung massive Verluste einfährt und davon ausgegangen werden muss, dass im Zeitalter von E-Mail und Web 2.0 in Zukunft noch weniger Personen Mitteilungen mit der guten alten Briefpost versenden.
Die Schule Erlenbach stellt sich diesem Trend erfolgreich entgegen, unterstützt die prioritäre A-Post Zustellung besonders und verschickt je nach Anzahl der im gleichen Haushalt – sprich Familie – lebenden Schülerinnen und Schüler die Mitteilungen mehrfach. Als Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern erhalte ich so im Schnitt mindestens alle zwei Wochen sämtliche Schreiben der Schule Erlenbach in doppelter Ausführung. Natürlich nicht zusammen in einem Couvert. Sondern in zwei separaten A-Post Briefumschlägen.
Selbstverständlich sind die Infos aufgrund der unterschiedlichen Schulstufe und -Klasse zwar auch verschieden. Was jedoch die beispielsweise die ausführlichen Infos betreffend des Verhaltens im Falle der Schweinegrippe anging, waren die Unterlagen identisch. Wie überhaupt in der Mehrzahl der Infos, die ich von Schulleitung und Schulbehörde erhalte.
Die Bildung meiner Kinder liegt mir am Herzen und ich finde, dass wir als Bürgerinnen und Bürger dafür sorgen müssen, dass den Schulen in den Gemeinden die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Allerdings heisst das für mich auch, dass die Ausgaben der Administration zugunsten der eigentlichen Bildung kontrolliert und vernünftig gehandhabt werden. Es müsste doch möglich sein, eine Adressverwaltung so zu führen, die je nach Bedarf, bzw. Inhalt der Infos die jeweiligen Adressen sortiert und Portikosten eingespart werden können. Noch besser wäre natürlich der Versand von allgemeinen Infos ohne vertraulichen Inhalt über E-Mail. Die E-Mail-Adressen der Eltern sind im Normalfall auf allen Klassenalarm-Zetteln der Lehrer notiert und bereits vorhanden.
An der Schule Erlenbach werden aktuell ungefähr 450 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Das sind also pro Monat bei durchschnittlich zwei Versänden locker CHF 900.- (Bei Post von der Schule habe ich übrigens noch nie B-Post-Couverts aus dem Briefkasten genommen).
Natürlich kann man nun einwenden, dass diese Beträge sich nicht substantiell aufs Gesamtbudget auswirken, aber bekanntlich macht auch Kleinvieh Mist.
Und wenn ich dann aus der Lehrerschaft höre, dass umgekehrt bei Unterrichtsmaterial wie Malstiften, Papier oder auch Klassenreisen gespart und diskutiert wird, dann finde ich schon, dass die Administration zugunsten der echten Bedürfnisse der Schule auf mögliche sinnvolle Einsparungen überprüft werden sollte.
Der Neue Gehren in Erlenbach als Begegnungsort für alle Generationen
Veröffentlicht am 21. August 2009 | Hinterlasse einen Kommentar
Im Zusammenhang mit dem Projekt des Alterszentrum Neuer Gehren in Erlenbach stellt sich eine Frage, die auf den ersten Moment angesichts der Komplexität des ganzen Projektes Wohnen im Alter nebensächlich erscheinen könnte: Soll es im Neuen Gehren wiederum ein Therapiebad geben?
Für Fachpersonen aus dem Bereich Wohnen im Alter und der Bewirtschaftung von Altersheimen haben Hallenbäder heute beim Neubau eines Alterszentrums bzw. Altersheims keine Priorität mehr. Sie sind im Bau und Unterhalt schlicht zu teuer, viele ältere Menschen treten erst bei Pflegebedürftigkeit ins Altersheim ein und können diese zusätzliche Infrastruktur gar nicht nutzen. Daher hat auch die Gemeinde Erlenbach in einer ersten Phase auf die Projektierung eines Hallenbads im Rahmen des neuen Alterszentrums verzichtet.
Auch wenn nur wenig im Altersheim wohnende Menschen das aktuelle Therapiebad nutzen, wird das Bad seit vielen Jahren von vielen Einwohnern der Seegemeinde regelmässig besucht: Die Schulgemeinde kann dank dem Therapiebad regelmässig Schwimmunterricht für die Primarschüler erteilen, es gibt Babyschwimmkurse, MuKi-Schwimmen und gelenkschonendes Aquafit für Erwachsene. Insbesondere junge Familien schätzen es sehr, wenn ihr Nachwuchs, der mit der Nähe zum See aufwächst, durch die regelmässig stattfindenden Schwimmstunden schnell und sicher schwimmen lernt. Dass dies leider gerade in den Seegemeinden keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt unter anderem das Beispiel aus Stäfa, wo die Schulgemeinde nun fieberhaft nach einer Möglichkeit für die Fortsetzung des Schwimmunterrichts sucht.
Das geplante Alterszentrum Neuer Gehren in Erlenbach soll gemäss der Projektidee auch ein Begegnungsort in soziokultureller Form sein. Dass es dies heute im Kleinen schon ist, verdankt das Altersheim auch dem Therapiebad. Der lebhafte Betrieb – das Bad ist durch die verschiedenen Aktivitäten sehr gut gebucht – lockt auch immer wieder Bewohner des Altersheims an, die durch den Besuch von Schulkindern und Babies mit ihren Müttern Abwechslung in ihrem Alltag erleben.
Die Gemeinde Erlenbach hat nun aufgrund diverser Anregungen aus der Dorfbevölkerung und der Schule entschieden, bei der Abstimmung über das geplante Budget für den Neubau, die Kosten für ein Therapiebad separat auszuweisen und darüber abstimmen zu lassen. Finanziell muss mit ungefähr CHF 2 Mio Mehrkosten für den Neubau gerechnet werden, wenn auch in Zukunft ein Therapiebad – im gleichen Ausbaustandart – zum Alterszentrum Gehren dazugehören soll. Die jährlichen Betriebskosten wären mit der heutigen Auslastung ungefähr gleichbleibend bei CHF 200′000.- pro Jahr.
Insbesondere die Bildung der Schülerinnen und Schüler in Erlenbach war den Bürgerinnen und Bürger in der Vergangenheit immer auch ein finanzieller Mehraufwand wert. Hier können wir neben dem Schwimmunterricht noch dazu beitragen, dass sich auch weiterhin Generationen im Dorf treffen können. Etwas, das heute nicht mehr selbstverständlich ist, aber für den Fortbestand unserer Gesellschaft wertvoll und wichtig ist. Darum setze ich mich für den Beibehalt des Therapiebads im Neuen Gehren ein.
Bemerkenswerte Kolumne in der neuesten Ausgabe der “Bilanz”
Veröffentlicht am 22. Juni 2009 | Hinterlasse einen Kommentar
In der aktuellen Ausgabe des Schweizer Wirtschaftsmagazins “Bilanz” setzt sich die Unternehmerin Carolina Müller-Möhl mit der frühkindlichen Förderung und dem aktuellen Bildungssystem in der Schweiz auseinander. Ich finde es bemerkenswert und höchste Zeit, dass sich auch Wirtschaftskreise aktiv mit dem Schulwandel in der Schweiz beschäftigen und darauf hinweisen, dass wir in unserer globalisierten Welt ein besonderes Augenmerk auf die Zukunft unserer Kinder richten müssen und endlich davon wegkommen sollten, Bildung von gesinnungspolitischen Argumenten und Strömungen abhängig zu machen.
Die Kolumne können Sie hier lesen.














