Vom Vergehen und Entstehen unserer Gemeinschaft
11. Januar 2010 | 2 Kommentare
Auch dieses Jahr habe ich die Weihnachtsferien, dh. die paar Tage Ruhe und Musse zwischendurch nutzen können und intensiv gelesen. Meine Berliner Freundin – danke Aenne!! – hat mit ihrem Präsent voll ins Schwarze getroffen, denn für mich war schon lange nicht mehr ein Buch so anregend:
Frank Schirrmacher beschreibt in “Minimum” die Situation in die sich unsere Gesellschaft manöveriert, wenn wir unseren sozialen Beziehungen zuwenig Sorge tragen und er zeigt auf, wie wichtig verwandtschaftliche Netzwerke – sprich Familiensysteme – für unsere Zukunft sind. Gerade in Europa, wo Wirtschaftskrise und neoliberale Kräfte den Wohlfahrtsstaat immer mehr in Frage stellen, wird der Ruf nach der Familie, welche als privates Versorgungs- und Versicherungsnetz die Verantwortung übernimmt, immer lauter. Doch wer soll das genau sein? Die Anzahl der Singlehaushalte in den vergangenen Jahren in Agglomerationen und Städten ist sprunghaft gestiegen. Immer mehr Familiensysteme zerbrechen. Der Trend zur Individualisierung der Gesellschaft hält an. Und das grösste Problem: Es fehlt der Nachwuchs, der sich um die ältere Generation kümmert, die ihrerseits immer zahlreicher und älter wird.
Das Buch regt mich an, darüber nachzudenken, was zu tun ist, um in meinem persönlichen Lebensraum dafür zu sorgen, dass die bedrückende und beängstigende Vision Schirrmacher’s nicht Realität wird. Wir müssen uns der Bedeutung sozialer Gemeinschaften – Familien, Nachbarschaftshilfe, Vereine und Dorfgemeinschaften – wieder vermehrt klar werden. Generationenübergreifende Projekte – wie bsp. die Aktion der Leihgrosseltern in der Kinderbetreuung – dürfen trotz Wirtschaftskrise nicht weggespart werden. Es stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und fördert die Vernetzung, wenn verschiedene Institutionen eines Dorfes gemeinsam Anlässe organisieren – als Einwohnerin unterstütze ich dieses Engagement mit meiner Präsenz. Viele Vereine beklagen einen zunehmenden Mitgliederschwund und Sportvereine finden keine Trainer für Juniorenabteilungen – gerade im Sport wird das soziale Gewissen unserer Kinder gestärkt, wir Eltern sind gefordert, diese Vereine auch mit persönlichem Einsatz zu unterstützen. Ich vermisse an meinem Wohnort schon seit einigen Monaten den langjährigen Postboten, der durch eine billige Teilzeitkraft ersetzt wurde. Dabei erfüllen gerade auch Postboten wichtige soziale Funktionen für ältere Personen, die dank persönlicher und täglicher Briefzustellung sozialen Kontakt zur Aussenwelt haben.
Tja, das hört sich nun alles an nach “es gibt nichts gutes, ausser man tut es” – aber vermutlich ist es halt eben schon so, dass wir eigenverantwortlich unseren Beitrag leisten müssen. Und wenn wir bei uns in unserer unmittelbaren Umgebung damit anfangen, dann sind die Resultate für mich jedenfalls anregend genug, weiterzumachen. Das dies nicht gerade immer einfach und entspannend ist, das habe ich auch nicht behauptet, denn wo Gemeinschaft entsteht, gibt’s Reibung – aber die erzeugt schliesslich auch Wärme.
Zürich setzt auf Megatrend der Zukunft
8. Dezember 2008 | Hinterlasse einen Kommentar
Die Zürcher Regierung setzt auf den Megatrend der Zukunft, “Female Shift”, – den wachsenden Einfluss von Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft, in Politik, Wissenschaft und Kultur. Sie beauftragt Matthias Mölleney und Sybille Sachs als Promotoren bei Unternehmungen und Verwaltungen in Zürich dafür zu werben, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser klappt. Arbeitgeber sollen für die Schaffung eines familienfreundlichen Arbeitsumfeldes sensibilisiert werden, damit Angestellte mit Kindern bessere Bedingungen finden. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat eine vielschichtige Bedeutung: In wenigen Jahren wird die Zahl der Arbeitskräfte abnehmen gleichzeitig gibt es immer mehr gutausgebildete Frauen. Die Wirtschaft kann in Zukunft nicht mehr auf gut qualifizierte und ausgebildete Frauen verzichten, unsere Gesellschaft braucht dringend griffige Strategien gegen den demografischen Wandel, dh. um dem Geburtsrückgang entgegen zu treten. Die zunehmende finanzielle Unabhängigkeit stärkt das Selbstbewusstsein der Frauen und führt auch zu einem nachhaltig veränderten Rollenverhalten der Männer. Mütter und Väter fühlen sich zunehmend in gleicher Art und Weise für die Erziehungsarbeit verantwortlich, möchten die Rollenmuster aufbrechen und neue Wege in der Familie gehen. Bis jetzt ist es in der Wirtschaft vor allem für Väter schwierig ihre Vorstellungen im Bereich von Teilzeitstellen auch in Kaderpositionen durchzusetzen. Und Müttern bleibt aufgrund der Ausübung einer Teilzeitstelle der Karriereaufstieg oft verwehrt. Es braucht ein Umdenken in der Wirschaft und die Einsicht, dass sich familienfreundliche Arbeitsmodelle auch wirtschaftlich lohnen. Denn eine Studie bei ausgewählten Schweizer Unternehmen hat gezeigt, dass sich familienfreundliche Massnahmen von Unternehmen betriebswirtschaftlich lohnen. Literatur zu diesem interessanten Thema finden Sie hier.
Ein Beispiel, was eine familienfreundliche Unternehmungen ausmacht, gibt der untenstehende Film-Beitrag der Berthelsmann-Stiftung aus Deutschland mit dem Beispiel der Commerzbank.














